Die Ausgrabungen in Pompeji konzentrierten sich von ihrem Beginn in der Zeit der Bourbonen zunächst auf den urbanen und direkt angrenzenden Bereich. Erst unter der Leitung von De Petra dehnten sich seit 1893 die Ausgrabungen auch auf die Peripherie von Pompeji aus, wie Cerulli in ihrer Übersicht der Grabungsgeschichte darlegte. Der größte Teil der 127 Fundorte stammt aus der Zeit der Kolonie und liegt im Pagus Augustus Felix Suburbanus im N des antiken Pompeji.
In der lokalen Überlieferung hat sich für den Standort der verschütteten Villa der >Name La Iuliana< erhalten3. Die dort gefundenen Mauerreste trugen später, bis zum Beginn der Grabung am 29.April 1909 den >Namen Villa Aurelio Item< nach dem Besitzer des Grundstückes.
Die Grabung stand unter Aufsicht des wissenschaftlichen Personals des Museums von Neapel. Sie wurde mit einer Unterbrechung von Mai bis Oktober 1909 im Januar 1910 beendet.
De Petra, VdM, veröffentlichte 1910 den Plan über die ausgegrabenen Mauerzüge des SW-Bereiches der Villa und eine kurze Beschreibung der Dekorationen, insbesondere des namengebenden "Mysterienfrieses", der fortan das besondere Interesse an der Anlage weckte4.
Della Corte, NSc, publizierte 1922 die aufgefundenen Terrakotten, Bronzen, Gläser, Ziegelstempel und Graffiti der Villa5. Auffällig war die geringe Anzahl von beweglichen Ausstattungsgegenständen, wie sie sonst so zahlreich in anderen vornehmen Villen, z.B. der des P.Fannius Sinistor aufgefunden wurden. Bis auf die von Della Corte publizierten Gegenstände wurden mit wenigen Ausnahmen weder Möbel, Geschirr noch Kunstgegenstände vorgefunden. Zu den Ausnahmen gehört die Marmor-Statue der Livia, Gattin des Kaisers Augustus, die in der NO-Ecke des Peristyls offenbar auf ihren Abtransport wartete6.Ausserdem fand sich in der Sala apsidata und dem N-Oecus 410 ein Depot zahlreicher Dekorations- und Architekturelemente aus Marmor7.
Maiuri geht davon aus, dass die Villa bis zur ersten Grabung unberührt war. Das Fehlen der Ausstattung könne damit zusammenhängen, dass bei einem Wechsel des Besitzes nach dem Erdbeben das Inventar mitgenommen wurde8.
Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß die Villa zuletzt nur im NO-Bereich bewohnt war, wo sich während des Vesuvausbruches die Frauen aufhielten. Vor allem dort wurden einfache Haushaltsgeräte, Handwerkszeug und auch das Siegel des L.Istacidius Zosimus gefunden9.
In den folgenden Jahren wurde das Grabungsgelände mit einer Fläche von etwa 60x60 m vom italienischen Staat aufgekauft. Im Juli-August 1927 wurden Sicherungsarbeiten an der alten Grabung durchgeführt. Doch erst am 29.Februar 1929 wurde unter Leitung von Maiuri mit einer Gruppe von 8 Arbeitern, 1 Esel sowie 2 Karren die Grabung begonnen. Aus den Grabungsberichten der Soprintendenza,10geht hervor, wie sodann unter ständig wechselndem Personaleinsatz die Grabungsarbeiten voranschritten und welche Art von Funden an Knochen, Bronze, Keramik, Ziegeln, Malerei, Mosaiken und Bauteilen gemacht wurden.
Dabei zeigte sich, dass die Anlage unter einer besonders tiefen Schicht von 8-9 m Lapilli lag, die mit grossen Schlacken- und Bimsbrocken durchsetzt waren. Ferner wurden in der NW-Ecke der Grabung kompakte Aschebänke angetroffen, die von Wasser angespült waren11.
Während der Ausgrabungen wurden gleichzeitig umfangreiche Sicherungen und Restaurierungsarbeiten vorgenommen, die den Originalbefund zum Teil stark veränderten. So wurden ganze Mauern neu errichtet und verschiedene Bauteile durch Unterfangungen mit NP in situ gehalten.
Dabei wurden die unterschiedlichsten, mehr oder weniger dauerhaften und sinnvollen Methoden angewendet. Diese bestanden unter anderem aus Überdachungen mit Hohlstein-Rippendecken in den Bereichen des Atriums und des Atriolums, dem Wiederaufbau des Daches im Atrium und des Peristyls mit Stahlbetonbalken. Ferner in der Überdachung des Torculariums, der Doppelporticus, der NW- und SW-Portiken und des Balneums mit Pultdächern, dem Bau eines Glasdaches über der Toranlage, eines Eternitdaches über dem Altar in der Küche und der Einrichtung eines Baubüros im OG des Raumes 515.
Zahlreiche Architrave und Türstürze wurden erneuert, Wandputz und Stuckprofile abgenommen und neu angetragen, sowie Türen und Fenster in Zement ausgegossen. Ganze Mauerfluchten, vor allem am Hauptbau, wurden so stark überarbeitet, dass die Struktur des Mauerwerks nicht mehr zu erkennen ist.
In der Villa fand man die Überreste von insgesamt neun Toten, von zwei der Opfer wurden Gipsabgüsse hergestellt.
Im Juni 1930 waren die Arbeiten abgeschlossen. Wie die Photos des alten Zustandes in den Publikationen Maiuris zeigen, wurde die Ruine der Villa seitdem einer umfassenden Restauration unterzogen12.
Bis heute konnten jedoch die O- und N-Seiten mit dem Haupt- bzw. Nebeneingängen von der Via superior und ihren Nebengebäuden nicht ausgegraben werden, weil sich dort direkt neben der Grabungsböschung ein bewohntes landwirtschaftliches Anwesen befindet.
Aufgrund des mangelhaften Zustandes der Schutzdächer und weil grosse Teile der Villa nicht überdacht sind, verschlechtert sich der Erhaltungszustand der Bausubstanz sichtbar von Jahr zu Jahr. So sind die Gebäudekanten der Plattform und das Mauerwerk der Bereiche unter freiem Himmel stark erodiert. Das Grabungsgelände ist teilweise bis zu einem Meter über die H des ursprünglichen Niveaus mit Schutt und Humus bedeckt. Lobenswerter Weise wird jedes Jahr einmal das sich rasch ausbreitende Unkraut beseitigt, dennoch verwehren in den Randbereichen undurchdringliche Dornenhecken jede Arbeit.
Wegen der Beschädigungen und Gefährdungen durch den ständig wachsenden Zustrom von Besuchern wurde 1990 eine optisch-akustische Sicherungsanlage eingebaut. Die Villa wird seitdem Tag und Nacht bewacht und einige Räume werden unter ständigem Verschluss gehalten.
1990 wurde die Küche der Villa gereinigt, neue Funde gesichert und von C.Scatozzi und M.Oliva darüber Pläne erstellt13. Im selben Jahr führte auch Frau E. Potwin14für ihre Dissertation über römische Küchen und Bäder in der Villa und Pompeji Messungen durch.