Die Bauaufnahme der Villa dei Misteri besteht aus der elektronischen Vermessung und dem manuellen Aufmass. Diese sind umgesetzt in masstäblich verkleinerte Zeichnungen von Grundrissen, Schnitten, Ansichten und Details. Die Legende zu den Tafeln gibt nur einen Überblick der Zeichnungen mit Angaben der wesentlichen modernen Veränderungen und von Einzelheiten, die besonders erwähnenswert sind, bzw. leicht übersehen werden können. Die Beschreibung der Befunde der Bauaufnahme erfolgt für jeden einzeln numerierten Raum gesondert.
Für die Vermessung stand drei Wochen ein elektronischer Entfernungsmesser Modell Kern D 502 in Verbindung mit einem Theodolit K1-S zur Verfügung, mit dessen Hilfe ich insgesamt 322 elektronische Entfernungs- und Höhen-Messungen durchführen und ein Gesamtraster der Anlage herstellen konnte. Darin trug ich die manuell genommenen Einzelmasse ein. Sie bestehen aus Tausenden von Messungen, Material- und Höhenangaben sowie Detailskizzen. Das elektronische Aufmass wurde in Messlisten geführt, das manuelle Aufmass ist in Abbildung 7 eingetragen.
Das Planwerk ist in dem Verzeichnis der Tafeln aufgelistet und mit einer zugehörigen Legende beschrieben. Es ist gegliedert in die Gruppe der Grundrisse [Abbildung 19] bis [Abbildung 6] und das Massblatt [Abbildung 7], die Übersichtstafel [Abbildung 8] mit den Schnitten 1-44 auf den [Abbildung 9] bis [Abbildung 52] und die Ansichten [Abbildung 53] - [Abbildung 56], die Isometrien [Abbildung 57] - [Abbildung 58], die Übersichtspläne [Abbildung 59] - [Abbildung 61] und die Details auf den [Abbildung 62] - [Abbildung 77].
Ich habe mich entschlossen, die Grundrisse der Villa nach N auszurichten, wie das für Architekturzeichnungen üblich ist und wie der Architekt der Villa mit der Einführung des Achsenkreuzes wohl auch vorgegangen ist. Auf den Grundrißplänen ist der N-Pfeil deshalb um 30 Grad nach NO abgewinkelt. Der Einfachheit halber benenne ich jedoch die Hauptrichtungen N, S, O und W.
Die Pläne sind genaue Freihandzeichnungen. Damit soll dem von der Darstellung mit der Zeichenmaschine ausgehenden suggestiven Perfektionismus entgegentreten werden, wie er an einem archäologischen Objekt, mit seinen unregelmässigen, verwitterten und beschädigten Oberflächen unrealistisch ist. Die Darstellung der Oberflächenstrukturen der Schnitte und Ansichten ist skizziert und erhebt nicht den Anspruch photographischer Genauigkeit.
Die Grundrisse zeigen einen horizontalen Schnitt in etwa einem Meter H Höhe durch das jeweilige Geschoss des Gebäudes, d.h. Bestände, die darüber liegen, sind den Schnitten zu entnehmen. Die Ansichten zeigen hintereinander liegende Gebäudefluchten mit Schnitten durch die vorangehenden Mauerzüge.
Um die Darstellungen nicht zu stören, sind keine Maßketten und Einzelhinweise eingetragen. Aus den Plänen im M 1:50 sind die Maße mit grosser Genauigkeit zu entnehmen. Die beim Aufmass vorgefundene Bausubstanz ist als durchgezogene Linie dargestellt. Bei der Ausgrabung vorgenommenen Ergänzungen, Sicherungen und Rekonstruktionen sind strich-punktierte Linien, während gestrichelte oder schraffierte Linien die Rekonstruktion darstellen.
Die Bauaufnahme ist durch das Planwerk mit seinen Grundrissen, Schnitten und Detailzeichnungen dokumentiert. Die Legenden erläutern die Pläne. Die schriftliche Beschreibung des Befundes erfolgt im Text, dort sind die Raumgrösse, die Wandeinteilung sowie die verwendeten Baumaterialien und Bautechniken genannt und auf die zugehörigen Tafel, sowie die einschlägige Literatur hingewiesen. Die unterschiedlichen Strukturen der Mauerzüge, Öffnungen und Fussböden sind in der Liste der Materialsymbole gezeigt.
Ausser einzelnen kleinen Sondierungen habe ich mir nicht erlaubt Eingriffe in den Bestand vorzunehmen.