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BAUPHASEN

Von den in der Bauaufnahme angetroffenen Befunden gehören einige den in Pompeji tradierten Baumaterialien und Bautechniken im osk. Mass an, sodass sie sich nicht zur Abgrenzung von Bauphasen eignen. Es sind dies z.B. Opus incertum aus groben Tuff- oder Kalksteinbrocken, Opus caementitium, Werkstücke für Säulen- und Pfeilerordnungen aus Sarno-Kalkstein und Nocera-Tuff, Travertin und Basalt für Türschwellen, die Verwendung von Dachziegeln, Tonrohren, Keilsteinen für Bögen, Natursteinen für Mauerecken und Leibungen.

Daneben fallen jedoch Befunde auf, bei denen neue Baumaterialien, Bautechniken und Massordnungen in einem differenzierten räumlichen, zeitlichen und stilistischen Zusammenhang stehen, aus dem sich verschiedene Phasen ableiten lassen.

Da ist zunächst die Entstehungs-Phase der Villa. Zu ihr gehört ohne jeden Zweifel die Basis in der W-Hälfte der Anlage von 90x180' im oskischen Mass-System, mit der Plattform und Cryptoporticus, die in seiner Substanz nahezu unverändert das Bauwerk bis zum Vesuvausbruch überdauert hat.

Auf der Plattform und der zugehörigen O-Hälfte von 90x180' entwickelt sich ein System von Mauerzügen, das sich vor allem durch die Verwendung von Opus quasi reticulatum aus fast regelmässig und etwa netzartig vermauerten Tuffschalen mit einem Kern aus Opus caementitium auszeichnet. Im Zusammenhang damit steht u.a.die Errichtung von scheitrechten Bögen aus Tuffelli, eine Bautechnik, die in Pompeji eine Neuerung darstellt. Auffallend sind auch die reichen Dekorationen des II.Stils mit den dazugehörenden Fussböden in Räumen, von denen Mauern in der neuen Technik hergestellt wurden. Anhand des Mauersystems lassen sich aufeinander abgestimmte Funktionsbereiche erkennen, die einem übergeordneten Entwurfsschema folgen, das dem Gesamtplan der ersten Bauphase zugrunde lag.

In einer zweiten Bauphase wurden deutlich abgrenzbar Teile der Phase I abgebrochen bzw. ausgebaut und die Anlage ringsum mit Erweiterungs- und Neubauten im römischen Mass-System umgeben, bei denen neue Baumaterialien wie z.B. gelber Tuff, gebrannte Ziegelsteine und Marmor mit zahlreichen neuen Mauertechniken angewendet, sowie Dekorationen III.Stils aufgetragen wurden. Eine dritte Bauphase ist an den Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben von 62n. bis zum Vesuvausbruch 79n. zu erkennen, wobei die vorangegangenen Materialien und Techniken weiter verwendet und vereinzelt Dekorationen IV.Stils ausgeführt wurden.