HAUPTBAU 600
Auf der O/W-Achse, um 9 kleine Einheiten von 10x15 osk.'nach O versetzt, liegt das Hauptgebäude mit 2x4 Maßeinheiten für das Atrium (600/601) und Tablinum (602) mit Gang (603). Das in O/W-Richtung orientierte Atrium hat die gleiche Grösse wie der N/S gerichtete Peristylhof.
Der N-Flügel hat mit Eckraum (604) und 2 Seitenflügeln (606/ 607), Nebenraum (608), N-Gang (609), Cubiculum (611) mit 2 Alkoven (612/613) und Wandschrank (614), Loggia (610), sowie Schrankraum (Apotheca 615/617) 2x4 Masseinheiten.
Ebenso der S-Flügel mit Triclinium (627), Cubiculum (620) mit 2 Alkoven (622/624), Wandschrank (621) und blinder Ecke (623), Cubiculum (625) mit einem Alkoven (626), S-Gang (628) S-Oecus (629), Cubiculum (632) mit 2 Alkoven (633/635), Wandschrank (634) und blinder Ecke (636), sowie O-Gang (631).
Das Atrium als traditioneller Mittelpunkt des Hauses ist in seinem Gesamtbild während der Baugeschichte der Villa kaum verändert worden.
Von den 14 Portalen wurden Portal IV, V, VIII, X und XIV vor der Dekoration im II.Stil teilweise oder ganz zugemauert, Türen mit Bekleidungen und Schwellen belassen und die Rückseiten mit Dekorationen im gleichen Stil versehen. Das Mittel-Portal IX wurde sekundär abgebaut und bis auf eine Öffnung von 120x199 cm geschlossen. Nur der beschädigte Boden im Bereich der Schwelle weist noch auf das Portal hin. Auch die Türen zwischen Tablinum und Gang 603, sowie von Raum 606 zu Gang 609 wurden vor der Dekoration im II.Stil zugemauert.
Vermutlich stehen die imitierten Dekorationen II. Stils in den NW- und SW-Ecken zwischen den Bekleidungen der Portale in Verbindung mit dem Abbau des Mittel-Portals IX und sind Überreste der Zweit-Dekoration der W-Wand. Dabei war die alte Teilung der Sockel- Mittel- und Oberzone verändert. Über der Oberzone sind noch die Tafeln mit Holzrahmen aufgemalt, wie sie im Waffenfries angebracht waren. Im Pfeiler zwischen den Portalen XII und XIII wurde in der Apotheka 615-616 ein kleines horizontales Fenster von 11x38 BR 225 cm geschickt in die Dekoration eingearbeitet. Der Fussboden des Atriums besteht aus schwarzem Mosaik der Gruppe 5 mit weißem Fries im II.Stil. Das Impluvium ist aus Signinum, es wurde sekundär erneuert.
In der W-Wand des Tablinums zeichnet sich auf der O/W-Achse die grosse Türanlage von 285/350 cm mit Sarno-Leibungen und Basalt-Schwelle 51 ab, sie ist das einzige erhaltene Beispiel für die Originalhöhe der Türanlagen zu den Portiken. Die Tür in der NW-Ecke wurde vor der Dekoration des Ganges 603 geschlossen. Der weiße Mosaik-Fussboden der Gruppe 5 mit schwarzem Rahmen im II.Stil ist erhalten.
In der Umfassungswand des N-Flügels ist in der N-Wand von Alkoven 606 in H 350 cm das Fragment eines Tuffelli-Bogens mit Sarno-Leibung, offenbar eines Zuganges, erhalten. Im Inneren des herrschaftlichen Eckraumes mit zwei grossen Alkoven sind bei dem späteren Neuverputz Reste der Dekoration II.Stils zwischen dem horizontalen Deckenabschluss bei H von ca. 500 und den Ansätzen später abgehängter Stuck-Gewölbekappen erhalten. Sie sind auch in der NW-Ecke des O-Alkovens 606 und der SO-Ecke des S-Alkovens 607 zu finden. Die Räume haben weißen Mosaik-Fussboden der Gruppe 5 mit schwarzen Rahmen und bunten Vorlegern im II.Stil, auf denen die sekundären Trennwände errichtet sind. Dadurch ist die Zugehörigkeit der Dekorationsreste und der Fussböden als Stil-Ensemble des II.Stils erkennbar.
Die Loggia 610 wurde um 117 cm von der Flucht der Umfassungsmauer eingerückt, mit Fussboden sowie Fries Gruppe 5 versehen und das Cubiculum 611 mit den O- und S-Alkoven und einem Wandschrank mit Dekorationen, Profilen und Fußböden im II.Stil ausgestattet. Die drei Räume 617-619 entlang der NW-Wand des Peristyls bilden eine unabhängige Raumgruppe mit dem grossen mittleren, über die ganze B des Raumes reichenden, sowie zwei kleinen seitlichen und Bogenportalen als Verbindung zwischen den Räumen. Die Innenwände trugen bis unter die abgehängten Stuckkappen Dekorationen II.Stils. Die Räume haben Signinum-Fussböden der Gruppe 3, ihre Nutzung ist unklar. Sie können sowohl Cubicula, Hospitalia oder Anrichten zur Aufstellung von Prunkgeschirr in Verbindung mit Empfängen im Atrium oder N-Oecus gewesen sein.124
Im S-Teil des Hauptgebäudes ist der Bestand der Phase I nahezu vollständig erhalten. Hier liegt das grosse Triclinium mit dem Dionysos-Zyklus, das benachbarte Cubiculum 620 mit Wandbildern und Pinnakes, sowie der S-Oecus 629-630 und das Cubiculum 632 mit den hervorragenden Dekorationen II.Stils. Sämtliche zugehörigen Fussböden sind erhalten.