MAIURI‘S VILLA PRAEROMANA
Wegen des Mauerwerkes aus Sarnoquadern an der O-Seite des Atriums sah Maiuri Sarno-Mauerwerk irrtümlicherweise als Opus quadratum der späten Kalkstein-Periode an und verglich den Befund mit Säulen bzw. Pilastern in der >Casa di Sallustio< und der >Villa di Diomede<.117Die Sarno-Pfeiler der O-Wand des Atriums der Villa dei Misteri wurden aber von Maurern mit Mörtelfugen gemauert Foto [Abbildung 110] und nicht von Steinmetzen als Opus quadratum mit millimeterdünnen Fugen hergestellt. Maiuri lässt ferner seinen Plan der "Villa praeromana" mit Atrium und Tablinum in gleicher B und 6 umgebenden grossen Sälen zeichnen.118Die Tatsache, dass die meisten Mauerzüge der Villa durchgehend angelegt wurden und darauf die Raumteilungen stumpf aufsetzen, oder daß Bogenportale angelegt, aber vor der Dekoration sogleich wieder geschlossen wurden und andere Merkwürdigkeiten konnten leicht zur Annahme einer isolierten Bauphase führen.
Die hintermauerten Portale im Atrium wurden als Scheintüren belassen. Am Beispiel des Portals V in der N-Wand zeigt sich deutlich, daß Türflügel mit Bekleidung und Schwelle nur aus Rücksicht auf die Symmetrie und Harmonie des Atriums verblieben und z.B. im S-Oecus 629 eine Dekoration aufgetragen werden konnte, die den Massverhältnissen des in Relation zum Atrium kleineren Raumes angemessen war.
Dazu gehören auch die Achsverschiebungen im Tablinum und die Vergrösserung des S-Bereiches von Atriolum-Balneum-Küche bei gleichzeitiger Verkleinerung des S-Ganges im Peristyl. Ferner die kittartigen Verfugungen des Sarno/Tuff-Quadermauerwerkes und der angrenzenden Mauerpartien, sowie die rote Bemalung der Fugen von Tuffelli-Bögen .119
Von der Achsverschiebung zwischen S-Bereich 500 und Peristyl profitierten beide Seiten. Nur so erhielt das Triclinium die richtige Proportion mit einem eingeschriebenen Kreis von H=B der Stirnwand auf der Dionysos und Ariadne als Hauptmotiv dargestellt sind.
Bei näherer Betrachtung lassen sich diese Befunde jedoch ein und derselben Phase zuordnen. Stumpf aufgesetzte Trennwänden sind allein noch kein Indiz für eine spätere Bauphase solange dabei die Fugen zwischen den Mauern nicht verputzt sind, oder der Putz abgeschlagen wurde, sondern ein Zeichen für den zeitlichen Fortgang des Innenausbaus.
Zweifel ergeben sich auch daher, dass die Villa zwei Jahrhunderte ohne Dekoration geblieben sein muss, denn die Datierung ihrer Dekoration im II.Stil zielte schon immer auf die Jahre nach der Gründung der Kolonie.120