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PORTIKEN UND LOGGIEN 700

NEUGESTALTUNG  DER  N/S/W-PORTIKEN

Auf der W-Seite der Villa wurde die offene Porticus abgebrochen und dafür eine geschlossene Front aus Exedra, Loggien und Cubicula diurna an den Gebäudeecken errichtet.

Die Dächer der Phase I wurden bis auf die Verlängerung der Neigung des Hauptdaches angehoben und mit einem neuen Trauf-Gesims versehen, wovon ein Stück an der NW-Ecke inn situ erhaltenn ist, Detail P5 [Abbildung 74]. Dies ergibt sich aus der niedrigen H des alten umlaufenden Gesimses über den Portiken 401 und 701-716.

EXEDRA 705-712

Auf der Mitte der Schauseite wurde die architektonisch herausragende Exedra 706-711 mit achsialer Aedicula errichtet. Der Vorraum 706 geht über die Flucht der ehemaligen Porticus hinaus und bildet im N und S die Nischen 705 und 712. Diese verbreitern sich mit den N- und S-Seitennischen 708 und 711 bis zur Achse des Hauptbinders mit den Doppelsäulen. Hier setzt die Apsis 707 an, die auf der O/W-Achse mit einer Aedicula abschliesst. Die Pteroi 709 und 710 wurden durch die Flucht der Ecksäulen und Doppelsäulen markiert. Die Exedra hat eine Gesamt-Abmessungen von 25x50 röm.' (7,67x15,17 m).

In den N- und S-Seitennischen sind die Marmor-Fensterbänke 2 und 3 erhalten. Auf der Innenseite der N-Nische fand sich ein Rest von roter Farbe, während die Aussenwände schwarzen Putz getragen haben müssen.137Von dem schwarzen Mosaik-Fussboden Gruppe 5 aus kleinen Tessellae von 5x5 mm mit weißem Rahmen aus grösseren Tessellae sind Reste im Vorraum 706 erhalten. In den Pteroi-Bereichen hat Cocciopesto gelegen.

N-LOGGIA 701

Die N-Loggia entstand zwischen dem Einbau aus Mauern in Opus reticulatum mit gelbem Tuff für das neue NW-Cubiculum diurnum 702-703 und der N/S-Achse. Die Interkolumnen der ehemaligen Porticus wurden bis auf den Zugang zur kleinen NW-Porticus mit flachen Brüstungen und Läden geschlossen. Zu diesem Zweck wurden die Kanneluren der Sarno-Säulen abgearbeitet und mit einer Nut versehen, in welche die Holzrahmen eingelassen waren. Vor der neuen O-Wand der Loggia wurde der Fries des Travertin-Fussbodens neu angearbeitet.

NW-CUBICULUM  DIURNUM 702-703 (Maiuri 10)

Der Raum an der NO-Ecke der Porticus wurde durch Wände zu den neu entstehenden Loggien N- und NW-Loggien abgeteilt. Die Vormauerung des Alkovens 703 war durch die Grösse des Lectus dimensioniert. Der Raum ist über die S-Tür mit Marmor-SCH46 erschlossen und trägt Kalkputz. Die Tessellae des weißen Mosaik-Fussbodens Gruppe 5 mit schwarzem Rahmen sind 5x5 mm gross. Der Alkoven wurde durch einen Vorleger mit vegetabilen Motiven vom Alkoven abgegrenzt.

NW-LOGGIA 704

Die NW-Loggia entstand zwischen Exedra und NW-Cubiculum diurnum, durch Errichtung einer Aussenmauer in Opus vittatum mixtum aus gelbem Tuff mit einem grossen W-Fenster, flacher BR und Klappläden. Die Wände trugen Kalkputz. Die N- und S-Friese des Travertin-Fussbodens und die kleine Portalnische 705 mit Marmorschwellen und Travertin-Fussboden der Gruppe 2 wurden nachgearbeitet.

SW-LOGGIA 713

Die SW-Loggia entstand zwischen Exedra und SW-Cubiculum diurnum. Sie ist wie die NW-Loggia ausgeführt. Nur die Endfriese des Travertinbodens sind hier nicht nachgearbeitet.

SW-CUBICULUM DIURNUM 714 (Maiuri 9)

Auch dieses Cubiculum hat Wände in den neuen Techniken. Die Fenster sind mit Marmor-Fensterbänken ausgestattet. Die Wände tragen Kalkputz auf dem Pernice noch rote Farbreste feststellte.138Der weiße Mosaik-Fussboden der Gruppe 5 mit schwarzen Rahmen besteht auch hier aus kleinen Tessellae von 5x5 mm. Der Alkoven ist durch einen Vorleger mit vegetabilen Ornamenten abgetrennt (restauriert R 1981, Foto [Abbildung 125])

S-LOGGIA 716

Zwischen dem SW-Cubiculum diurnum und der N/S-Achse entstand die S-Loggia. Sie ist wie die N-Loggia ausgeführt.

NW/SW-PORTIKEN 700, 717; TREPPENANLAGEN 723, 729

Die Mauerzüge des N/S-Achse wurden nach S und N in Opus incertum aus Tuff/Lava über die Kante der Plattform verlängert. Auf der W-Seite wurden auf der ersten Säulenachse über Fundamenten aus Tuff-Quadern, Wände aus Opus vittatum mit grossen Fenstern und Türen errichtet, die Leibungen aus Halbsäulen hatten. Die flachen Brüstungen wurden aus Opus reticulatum in abwechselnd gelbem und grauem Tuff gemauert.

Die Wände trugen Kalkputz. Auf der S-Seite wurde ein Signinum-Fussboden der Gruppe 3 verlegt und die Regenrinne entlang der N/S-Achse abgebaut. Auf der N-Seite blieb die Rinne liegen, aber der Signinumboden fehlt. Auf der S-Seite wurde eine abgehängte Decke aus Holzbrettern angebracht, die in situ mit den Tragbalken a' 30 cm erhalten ist.

An den Kanten der Plattform enden die Portiken in Pultgiebeln mit Ausgängen. Auf der S-Seite besteht der Giebel aus Opus vittatum und Opus incertum, im N aus Opus mixtum und Spiegeln in Opus reticulatum aus Tuff.

Vor den Giebeln liegt im N die Treppenanlage 723, Detaill A2 [Abbildung 63]) aus Tuff entlang einer Wandscheibe, von der nur die Abbruchstellen sichtbar sind. Im S wurde die Treppenanlage 729, Detail  A1 [Abbildung 62] über einem Bogen aus Opus testaceum mit Stufen aus Ziegeln entlang der Giebelmauer der Doppelporticus errichtet. Die Bogenlösung legt die Vermutung nahe, daß sich darunter eine Tür zur Cryptoporticus befunden hat.

DOPPELPORTICUS 718-719

Im S der Villa wurde zwischen N/S-Achse und Via Superior die Doppel-Porticus errichtet. Sie muss eine L von 43,95 m mit einer Säulenordnung von 15 Achsen mit 10 röm' im N-Gang 718 und 30 Achsen im S-Gang 719 gehabt haben. Die Gänge verliefen in Abständen von 10 bzw. 20 röm.' vor der S-Wand der Villa. Von den N- bzw. S-Gängen sind 7 bzw. 22 Säulen erhalten. Die S-Säulen haben gemauerte Trommeln aus abwechselnd Opus testaceum sowie Opus reticulatum in Tuff und tragen vereinzelt Mörtel-Reste.139Der Fussboden bestand vermutlich aus Cocciopesto.140Der W-Giebel folgt dem abgewinkelten Verlauf der Via superior. Das Fenster im S-Gang hat eine Fensterbank aus Marmor.

STATUE DER LIVIA

Maiuri,VdM60, 107-110,Fig.67-68 beschreibt detailliert die Statue mit einer H von 186 cm und ihren Fundort. Die Kaiserin war im Alter von 83 Jahren im Jahr 29n. gestorben und 42n. unter Kaiser Claudius divinisiert worden. Die Statue stellt eine Priesterin der Göttin Ceres dar, der in die Figur eingearbeitete Kopf gehört der Livia.

Als Ort der Aufstellung vermutet Maiuri die Sala Apsidata ohne weitere Angaben. Für das Gewicht der Marmorstatue war ein gesondertes Fundament erforderlich, was allerdings bei der Grabung nicht festgestellt wurde. Als Standort käme deshalb nur der Platz über dem Fundament des Sarno-Pfeilers auf der Mittelachse des Raumes in Frage.

Es ist aber ebenso denkbar, dass die Statue zum Zeitpunkt der Neudekoration des Tablinums in der Exedra auf einem Sockel von 90 cm gestanden hat, zu dessen Dekoration die Teile des Depots an Marmorprofilen [Abbildung 76]) gehörten. Als Standort käme dort ein Platz auf der Mittelachse infrage. Die Figur hätte entsprechend ihres sakralen Ausdruckes als divinisierte Livia in Gestalt der Priesterin der Ceres im Mittelpunkt der sonnendurchfluteten Exedra im kosmischen Bezug mit der Ausrichtung der Villa und der Stadt Pompeji auf den Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende stehen können.