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LAUFENDE ARBEITEN

Nachdem das Problem der Wasserversorgung in Pompeji behoben werden konnte, wurde das impluviale Dach der Doppelporticus in seine frühere zweistufige Form als Pultdach zurückgeführt und die Zisterne abgebochen. Dies geschah im Augenblick des Vesuvausbruches offenbar durch die Gruppe von Arbeitern, deren Überreste man in der NW-Ecke der Cryptoporticus fand. Sie hatten einen Abschnitt von 10,5 m bereits abgetragen und den Schutt entlang der Innenwand gelagert.

Reparaturen waren auch in anderen Teilen der Villa ausgeführt worden, z.B. wurde in der S-Loggia die 3.Säule von der N/S-Achse in Opus testaceum ersetzt, im S-Oecus 629/630 war eine verputzte Trennwand mit Tür und Fenster (Von den Ausgräbern abgetragen) errichtet und der Durchgang in den Alkoven von Cubiculum 632 war wieder zugemauert worden.

Andere Arbeiten waren noch im Gange, wie z.B. das Anheben des Fussbodens in Gang 631, wovon das vorbereitete Material noch in dem eingezäunten Bereich der SW-Ecke des Peristyls liegt. Die Portale XI (bis auf ein Fenster mit Leibungen aus Opus listatum in gelbem Tuff) und XIII wurden offenbar unter Erhalt der Bekleidungen, Flügel und Schwellen hintermauert. Diese Portale können erst kurz vor 79n. geschlossen worden sein, denn die Räume 608 und 616 waren vom N-Gang 609 nur über Durchbrüche zu erreichen, die wohl noch ordnungsgemäss ausgeführt werden sollten.

Im S-Flügel werden die Durchbrüche auf dem Weg vom Tablinum zur Doppelporticus geschaffen. Dabei wird die Funktion der Cubicula 622-624, 625-626 und der Räume 508-509 aufgehoben. In Raum 620 wird in die N- und O-Alkoven 622 sowie 624 und in Raum 625 im S- Alkoven 626 je eine Verbindungstür eingebrochen, wobei die Türen in Alkoven 622 allein die Marmor-Auflager SCH55 und Alkoven 624 die dekorierte SCH68 aus Marmor erhalten. Die Massnahme war notwendig, weil anders die SW-Loggia 713 nicht mehr direkt erschlossen war. Auch S-Oecus 629-630 wird mit Raum 632 (ehemals Cubiculum) verbunden, indem eine Tür in Alkoven 635 eingebaut wurde. Offenbar wurde dabei auch die S-Tür zum Atriolum geschlossen.

Durchbrüche, möglicherweise auch Raublöcher, wurden auch von Raum 618 zu Raum 619 und zum Wandschrank 614 von Cubiculum 611 geschlagen. Die Durchbrüche in der Aussen- und Innenwand des W-Ganges und der O-Wand des W-Ganges und dem Ende des S-Ganges der Cryptoporticus waren eindeutig Raublöcher.146

Die Frage nach dem Bauherren, seinem Architekt und den Fresco-Künstlern lässt sich leider nicht beantworten. Dennoch gibt es einen Personenkreis, der in Frage kommen könnte. Die Spur führt neben dem programmatischen Inhalt des Bauwerkes in die Jahre der Gründung der Colonia Cornelia Veneria Pompejanorum. (Siehe Städtebau)

Den gewagten Schritt, ungeschützt vor den Mauern der Stadt, eine von allen Seiten sichtbare, repräsentative Villa zu bauen, konnte sich nicht irgendwer erlauben. Darüber hinaus lag die Villa über dem Hafenkanal und an der Strasse nach Herculaneum in einer strategisch sehr günstigen Position. Zum Besitz des Grundstückes gehörten politische Macht, finanzielle Mittel und zahlreiches Dienstpersonal für die Wege zu den Märkten, Läden und Dienstleistungen der Stadt.

Vitruv beschreibt in Buch VI.5. ein Raumprogramm für "hochstehende Personen, die Ehrenstellen und Staatsämter bekleiden", das dem Standard der Villa durchaus angemessen war.

Der Personenkreis ist vermutlich in der Führungsschicht der Gründungszeit der Colonia Cornelia Veneria Pompejanorum aus den Jahren um 80v.zu suchen. Es wird sich weiterhin um einen welterfahrenen Bauherrn gehandelt haben, der ähnliche Bauten kannte und einen sehr ausgeprägten Sinn für Architektur und Kunst hatte.

Er muss in seinem Gefolge einen hervorragenden Architekten und begabte Künstler mitgeführt haben, die ihm für die Planung und den Bau der Villa, sowie die meisterhaften Dekorationen zur Verfügung standen.

Vermutlich war der NW-Bereich des Hauptbaues mit dem herrschaftlichen Eckraum und dem weiten Blick von der Plattform auf die Bucht von Capri, sowie die repräsentativen N-Porticus und der N-Oecus der Bereich des Hausherrn. Der S-Flügel des Hauptbaues, das Triclinium mit dem Dionysos-Zyklus, S-Oecus, Atriolum, Balneum und der Küche könnte der Bereich der Domina gewesen sein.

In Bauphase I der Villa gab es den Eckraum des Hausherrn mit zwei Seitenflügeln (604-407), den Wohnraum 608, drei Cubicula mit zwei Alkoven (611,620,632), das Cubiculum 625 mit einem Alkoven, die Dreier-Raumgruppe (617-619), sowie die Wohnräume 507 und 508 am Atriolum. Sie bilden mit den Oeci und Nebenräumen verschiedene Wohngruppen. Die Säle (200-201 und 206-207) im Eingangs-Bereich, der OG-Raum 205 des Ostiarius und Raum 518 kommen als Personalräume in Betracht. Somit konnte die Villa in Bauphase I eine Grossfamilie von 11-14 Personen und mindestens 18 Bedienstete beherbergen.

Durch die funktionale Umgestaltung der Villa in Bauphase II verändert sich das Zahlenverhältnis der Bewohner zugunsten des Personals. Den Zugängen an drei kleinen Cubicula (702,714,409) und zwei getrennt bewohnbaren Räumen durch die Teilung des Eckraumes 604/605 steht der Abgang von vier Cubicula gegenüber (622, 625, 632, 508). Durch die Unterteilung des Eingangsbereiches und des Ganges 417-419 entstehen dort ca.32 Personal-Plätze. Hinzu kommen eine Reihe Personalplätze im Torbereich (EG 103-104, OG 103-108,110,115) mit Schlafstellen für etwa 44 Personen.

Beim Vesuvausbruch am 24.8.79n. wurden in der Villa 5 Männer, 3 Frauen und ein Mädchen getötet. Von ihnen wurden eine Ziege, 4 Schildkröten, Geflügel und ein Hund versorgt.147Möglicherweise wohnten aber zur Zeit der Katastrophe weitere Personen in der Villa, die sich ausser Haus, auf den Feldern oder in den Weingärten befanden.

Die Villa muss wegen der politischen Entwicklung in Rom und dem Ende der Verwaltung durch Publius Cornelius Sulla 70v. zum ersten Mal den Besitzer gewechselt haben. Das Gelände, auf dem sie gefunden wurde hiess nach der Überlieferung La Iuliana<.148Der Name deutet auf einen kaiserlichen Besitz zu Lebzeiten des Kaisers Augustus und der Kaiserin Livia hin.

Nach dem Erdbeben 62n. wechselte die Villa offenbar noch einmal, sei es durch Verkauf oder Versteigerung den Besitzer oder ein Verwalter übernahm die Anlage und führt einen Weinbaubetrieb ein. Das aufgefundene Siegel des L.Istacidius Zosimus deutet auf einen Freigelassenen aus der einflußreichen Familie der Istacidier in iulisch-claudischer Zeit.149

Die letzten Bewohner hielten sich offenbar überwiegend im Tor- und Eingangsbereich auf. Sie bestanden wahrscheinlich aus zwei Gruppen, denjenigen der Bauarbeiter mit ihrem Anhang in der Villa und den Winzern, die in den Weinbergen und dem Kellerei-Betrieb arbeiteten. Ihre Habe bestand aus einfachen Haushaltssachen, Werkzeug und landwirtschaftlichem Gerät. Der bei den Frauen gefundene persönliche Schmuck war bescheiden. Die neuen Bewohner gingen mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit gegenüber den noch gut erhaltenen, wenn auch nicht mehr zeitgemässen Dekorationen um. Das zeigt sich bei den von ihnen durchgeführten baulichen Veränderungen und der zweckfremden Nutzung. Der Wandschrank 621 im Cubiculum 620 wurde z.B. als Hühnerstall benutzt.