REPARATUREN, UMBAUTEN und NEUBAUTEN
TORBEREICH
Das N-Tor zu Raum 106 wurde bis auf das Lararium und die Tür neben der O-Leibung geschlossen, Foto [Abbildung 93]. Im OG wurde die Tür in der NO-Ecke des Raumes 205 des Ostiarius zugemauert. Nebenan wurde auch die Tür in der SO-Ecke von Raum 202 zum Steg und das benachbarte Fenster in Opus lateritium geschlossen.
SO-HOFÜBERBAUUNG 112-113
Der Hofraum 112-113 wurde mit einem OG versehen und überdacht. Sein N-Teil wurde über Türen in den NW- und NO-Ecken erschlossen. Die Balkennester des OG-Fussbodens zeichnen sich mit einer Abstufung im angrenzenden Mauerwerk ab, Fotos [Abbildung 89], [Abbildung 90]. Dort wurde eine Trennwand mit Tür und Leibungen aus Opus listatum in gelbem Tuff eingebaut, der S-Teil blieb offen.
Die Überdachung des Hofes bedeutete für den S-Teil des Eingangsbereiches und das SO-Gebäude, daß sie ohne natürliche Belichtung und Belüftung waren. Das impluviale Hof-Dach wurde offenbar zum Sammeln von Regenwasser für den Küchen/Sanitärbereich benutzt und blieb auch dann erhalten als der S-Eingangsbereich mit einem neuen Satteldach überdeckt wurde.
Die Funde an Wirtschafts- und Haushalts-Gegenständen in den NO-Räumen des Torbereiches und dem N-Teil des Eingangsbereiches zeigen, dass nur dieser Teil nach dem Erdbeben bewohnt war und in der Villa lediglich Maurerarbeiten durchgeführt wurden.
Raum 104 mit dem Lararium im NO-Gebäude des Torbereichs und das OG des Eingangsbereiches erhielten Dekorationen im IV.Stil. Im N-Raum 200 des OG wurde eine Vertiefung in der W-Wand für den Lectus angelegt.
EINGANGS-BEREICH 200
Im S-Raum 206 des Eingangsbereiches wurde nach der Fertigstellung des Satteldaches die O-Tür geschlossen, eine W-Tür in der NW-Ecke eingefügt und der Herd durch ein Fragment des OG-Gesimses des Peristyls als Ablage erweitert, Detail W2 [Abbildung 70]). Raum 207/208 wurde durch eine Wand aus Opus incertum geteilt, im O-Teil 208 der Fussboden auf -22 cm unter NN abgesenkt, im W-Teil 207 ein Fenster in der NW- und ein Herd in der SO-Ecke des Raumes eingebaut.
PERISTYL-BEREICH 300
Das Peristyl wurde nur 1-geschossig wiederaufgebaut. Dabei wurde die EG-Säulenstellung mit einem neuen Architrav aus Holzbalken, gestuckten Aufmauerungen und Gesimsen versehen, über die sich ein Pultdach erhob, Detail P8 [Abbildung 75]. An der Traufe des W-Ganges konnten 9 Antefixe in situ gefunden werden, Foto [Abbildung 111].
Die Interkolumnen der EG-Säulenordnung wurden mit hohen Brüstungen aus Opus incertum in Tuff ausgefacht. Dabei wurde die Tür im NO-Feld in Opus listatum aus gelbem Tuff gefasst und mit einem Sturz überdeckt. Die Brüstungen wurden gefirstet, der Putz kragenförmig an die Säulen angearbeitet und die Dekoration in der Art der Außenwand im II.Stil imitiert, Foto [Abbildung 110]. Die Massnahme wurde erst ergriffen, nachdem die repräsentative Schaufassade des Peristyls zerstört war. Reparaturen sind auf der BR nicht zu erkennen. In der NO-Ecke wurde die Statue der Livia gefunden.
N-BEREICH 400
Vor der gesamten NO-Hälfte der Villa wurde der Boden bis auf T von -100 bis -150 cm NN abgetragen und das Erdreich offenbar vor der mit Stützmauern abgetreppten SW-Hälfte der Cryptoporticus gelagert. Dort wurde aus diesem Grund die Art und Lage der Wolfsaugen verändert. Die 1. bis 4. Öffnung von der N/S-Achse wurde in die Kämpferlinie verlegt und erhielt Wolfsaugen mit steigendem Sturz. Die 5. und 6., sowie die Öffnung im Treppenschacht wurden zugemauert.
Auf der NO-Seite der Villa wurde ein Weinbaubetrieb eingerichtet. Der NO-Hof wurde über den Nebeneingang 101 mit Türleibungen aus Opus listatum in gelbem Tuff von der Via superior mit einer Rampe in H ca.100 m neu erschlossen und gegen Gang 102 mit einer Wand aus Opus incertum abgemauert. Der NO-Raum 415/416 wurde in ein Torcularium verwandelt und die 2-geschossigen Betriebsgebäude 412 und 413 ergänzt.
NEBENRAUM 401-403 (Maiuri 23/24)
Der W-Bereich der Sala apsidata wurde durch eine Wand aus Opus incertum in Tuff/Lava halbiert und der O-Teil 403 mit einer N-Tür versehen. Der W-Teil wurde in Gang 403 mit einem N-Fenster, je einer Tür in den NW- und SW-Ecken und einem Podest in der SO-Ecke geteilt. Entlang der N/S-Achse wurde über dem Treppenschacht 401 zur Cryptoporticus eine Holztreppe eingebaut, deren Verlauf sich in den Seitenwänden abzeichnet. Auf diese Weise wurde der OG-Raum 401-403 zwischen Sala apsidata und N/S-Achse erschlossen.
TORCULARIUM 415-416
In dem Raum wurde auf der Flucht des Mittelpfeilers im O-Teil 416 ein Forum mit Signinum-Fussboden Gruppe 3 gebaut und durch Basalt-Spolien abgetrennt. Im W-Teil 415 wurde im NW der Boden bis auf die Fundamentsohle abgesenkt, ein Durchgang zu Gewölberaum 412 geschaffen, die Mostrinne im Gefälle zum Lacus geführt und an der Biegung ein Dolium von D 130 cm plaziert. Das O-Bogenportal wurde in ein Bogenfenster mit flacher BR umgeändert, in deren H die Sarno-Leibungen entfernt wurden. In der NO-Ecke wurde das N-Fenster, in der W-Wand das Bogenportal bis auf 60x184 cm in Opus incertum und die Tür im OG der SW-Ecke in Opus lateritium zugemauert. Der Raum wurde im Sockelbereich mit rotem Feinputz versehen und Kelterei-Geräten ausgestattet.144
N-GEBÄUDE 413
Die Funktion dieses 2-gesch. Baukörpers ist nicht klar zu bestimmen, weil er bisher nicht vollständig ausgegraben ist. Zweifellos hat er jedoch mit dem neu eingeführten Weinbau-Betrieb zu tun. Das Gebäude konnte zudem nur unvollständig untersucht werden, da es von dichten Dornenhecken zugewachsen ist. Seine Mauern bestehen aus Opus incertum in Tuff/Lava. Im OG der W-Wand liegt ein Fenster, in der SO-Ecke des EG eine Tür. An der W-Seite sind 2 Dolia erhalten. Sie waren durch ein leichtes Dach geschützt, dessen Ortgang sich mit Dachziegelresten und Balkennestern in H 120 cm NN abzeichnet.
VORBAU 412
Der N-Gang 408/411 wurde durch einen Vorbau geschlossen und in einen Geräteraum verwandelt, der zahlreiche Querbalken enthielt, deren Balkennester sich auf den W- und O-Wänden abzeichnen. Der Vorbau besteht aus einem Gewölbe mit OG-Raum, und wurde über die Treppenanlage 414 mit 9 Stg. und Rampe von B 40 cm vom N-Hof erreicht. Der Gewölberaum diente als Durchgang zum Mostlager. Er hat in der N-Wand eine Tür und eine Öffnung für die Mostrinne. In seinen NW- und SW-Ecken befinden sich kleine Podeste. Seine W-Wand setzte sich vor der Flucht der Plattform in einer BR aus Opus incertum in Tuff/Lava für eine Treppe mit 6 Stufen und Podest fort145.
Das OG ist in Opus incertum aus Tuff/Lava mit Spolien aus Tuff-Quadern an der NW-Ecke gemauert. Der Raum hatte auf der N-Seite ein Fenster, der Fussboden besteht aus Signinum der Gruppe 3. Die Einkerbungen der Dachanschlüsse zeichnen sich auf der W-Mauer des benachbarten Gebäudes 413 und der O-Mauer der Sala apsidata ab. Von dem scheitrechten Bogen der früheren grossen N-Portikus ist hier das O-Feld zu sehen.
S-BEREICH 500
KÜCHENTRAKT 513
In der O-Wand wurde ein kleines Schutzdach aus drei auskragenden Dachziegeln über einem Lararium angebracht, das jetzt bis zum Boden als Durchbruch erweitert ist. Der grosse Backofen 514 erhielt eine Abdeckung aus Dachziegeln.
PORTIKEN 700
DOPPELPORTICUS 718/719
Nach dem Einsturz der Doppel-Porticus wurde die Anlage nicht in der alten Form mit dem zweistufigen Pultdach wieder aufgebaut, sondern offenbar aus Gründen der Standsicherheit zunächst mit einem Satteldach und einer Stützwand entlang der S-Umfassungswand versehen. Die mittlere Säulenordnung wurde dabei als Firstkonstruktion verwendet. Die Stützwand wurde nur bis auf H der äusseren Säulenstellung von 175 cm über NN errichtet (Fussboden -55 cm NN). Das 1. bis 3. Feld wurde in Opus reticulatum aus Tuff ausgeführt, Fenster- und Türöffnungen in Opus vittatum angelegt und im angrenzenden Mauerwerk verzahnt. Über dieser Tragkonstruktion wurde das Satteldach errichtet, was eine grössere Aussteifung ergab. Entlang der Umfassungswand wurde eine impluviale Rinne mit Kehle aus Signinum angelegt, die das Regenwasser nach W führte, wo es über die Fassung aus Basalt, Detail W4 [Abbildung 72] zur neuen Zisterne im S-Gang der Cryptoporticus gelangte.
Die Zisterne hatte eine H von 45 cm über dem Boden. Sie war bis auf Sockelhöhe in Signinum ausgeführt. Entlang der Aussenwand führte ein Inspektionsgang von H/B 50/45 cm. Die Anlage war offenbar wegen der Unterbrechung der Wasserversorgung errichtet worden.