EINGANGSBEREICH 200
Unter diesem Begriff ist der 2-geschossige Gebäudeteil im O des Peristylhofes zusammengefasst. Es handelt sich um das Vestibulum mit Schleuse und die nach N und S anschliessenden Räume. Sie bilden mit den N/S-Bereichen 400 und 500 die 150 osk.' lange, 2-geschossige Fassade zur Via superior, die hier insgesamt beschrieben wird. Der N-Bereich 400 hat ein Pultdach, der N-Teil 200 hat ein Satteldach. Im OG des S-Bereiches war ein Baubüro eingerichtet. Über der Latrine und Raum 207-208 wurde eine Stahlbetondecke eingezogen.
Tafeln:
Schnitte [Abbildung 9] (O-Fassade), [Abbildung 31] (O-Wand des Peristyls), N-Seiten [Abbildung 39], [Abbildung 40], [Abbildung 41], [Abbildung 42], (S-Seiten) [Abbildung 47], [Abbildung 48], [Abbildung 49], [Abbildung 50]
Literatur: Maiuri, VdM31, 41-42; VdM60, 19-20.
Befund:
An der NO-Ecke des Gebäudes tritt ein Stück des Fundamentes zutage (Foto [Abbildung 88]). Es besteht aus kleinen Sarno-Quadern in Opus listatum. Darüber erhebt sich die Gebäudeecke aus grossen Sarno-Quadern in Naturstein-Mauerwerk, das in Mauerwerk aus Opus quasi reticulatum in Tuff einbindet. An verschiedenen Stellen, vor allem in den NW/SW-Ecken des SO-Wirtschaftshofes ist es in Resten bis auf H von 5,50 m feststellbar. Eingebettet in Opus quasi reticulatum liegt neben dem Haupteingang in Raum 203 das Fenster des Ostiarius. Das Bogengewölbe des Eingangs hat einen Tuffelli-Bogen von B 388 cm mit Scheitel bei 335 cm, Basalt-Schwelle SCH1 [Abbildung 78], Sarno-Leibungen bis zum Kämpfer in H 180 cm. In H des OG-Fussboden liegen Reste einer Lage Dachziegel und darüber eine Dekoration III.Stils.
Zwischen den Türen und Fenstern des OG sind Mauerwerk aus Opus incertum in Tuff/Lava und Kalk-Putzreste anzutreffen, wie z.B. auf dem Mauerstück zwischen den z.T. zugemauerten Öffnungen des Raumes 201 (Maiuri 32). Im SO-Hof besteht das Mauerstück des Raumes 206 (Maiuri 33) im EG aus Tuff-Spolien, Opus incertum und Opus reticulatum aus Tuff. Im weiteren Verlauf steht bis in die SW-Ecke Opus mixtum mit Spiegeln in Opus reticulatum aus Tuff an (Foto [Abbildung 89]). Ferner liegt im Sockelbereich zwischen den Fenstern der Räume 515 (Maiuri 36) und 516 (Maiuri 37) Opus listatum aus grossen Tuff-Steinen und über dem Sturz das Fragment eines Tufelli-Bogens #(Foto 2)#
In 5,88 m Entfernung von der NO-Ecke wurde in Gang 102 auf der N-Seite eine Trennwand aus Opus incertum in Tuff-Lava eingezogen. Daneben verläuft in der Wand eine Fall-Leitung aus Tonrohren mit D 17 cm, die im oberen Bereich in Richtung der Stirnwand des Flures abgewinkelt ist. Eine solche Fall-Leitung liegt ebenfalls 150 cm von der NW-Ecke des SO-Hofes.
Die Fassade des SO-Hofes wurde horizontal auf eine L von 790 cm durch eine Holzbalkendecke geteilt, deren Balkennester 27x32 cm a' 60 cm sich in H 275 cm abzeichnen. Eine OG-Trennwand aus Opus incertum in Tuff/Lava, die von 2 NP16 in situ gehalten wird, bildet den Abschluss. Nach S setzte sich die Holzbalkendecke auf weitere 350 cm mit Balkennestern von 24x32 a' 90 cm fort.
Über die Fassade sind zahlreiche EG/OG Fenster/Tür-Öffnungen verteilt, die bei den zugehörigen Räumen beschrieben werden.
VESTIBULUM 204-205
Literatur:
Maiuri, VdM31, 41-42, VdM60, 19-20.
Pernice, Pavimente, 56.
Auf der O/W-Achse der Villa liegt das Vestibulum 204-205 mit Schleuse 202.
Befund: Das Vestibulum ist unterteilt. Nach O liegt das Gewölbestück 205 mit G 179x388 cm, Sarno-Leibungen, Tuffelli-Bögen [Abbildung 78] Basalt-Schwelle 1, Sarno-Vorlagen für das Eingangstor, sowie Klientenbänken von an. Entlang der N-Wand ist davon ein Rest in situ erhalten (Foto [Abbildung 96])
Die Haupttür nach W mit einer G von 271x300 cm hat Sarno-Leibungen und die Travertinschwelle 3. Auf die gleiche Art ist die N-Tür zu Schleuse 202 mit 92x186 und Travertin-Schwelle 2 ausgeführt. Gegenüber der Schleuse ist eine weitere gemauerte Sitzbank entlang der Wand angebracht.
Die Wände (Schnitte [Abbildung 10] und [Abbildung 32], [Abbildung 40] und [Abbildung 49]) sind umlaufend bis auf H 140 cm mit einem Sockel, die Klientenbänke insgesamt mit rotem Feinputz versehen. Darüber geht weißer Kalk-Putz auf. Der EG-Fussboden besteht aus schwarzem Signinum, Gruppe 3.
Über dem Vestibulum/Vorplatz mit Abmessungen von 400x 450 cm bestand die OG-Decke aus Opus caementitium mit Signinum-Auflage, Gruppe 3. In der NW-Ecke befindet sich eine gemauerte Treppe mit Podest zu einer mit Opus testaceum zugemauerten N-Tür von B 60 cm zum Dachraum. Eine solche Tür von B 80 cm befindet sich auch in der SW-Ecke. Der Verputz des Raumes trägt rote Farbreste.
Fund:
Maiuri, VdM31, 25. Gipsabdruck einer jungen Frau im Vestibulum.
N-TEIL
SCHLEUSE 202
Befund:
Der kleine Raum hat eine Abmessung von 96x202 cm. Er stellt mit der N-Tür vom Vestibulum von 92x186 cm, Sarno-Tuff-Leibungen sowie Travertin-Schwelle 2 und dem W-Portal von 96x190 cm mit Travertin-Schwelle 4 in der gleichen Art die Verbindung zum Peristyl her. In der Decke zeichnet sich ein Abdruck von Strohmatten ab, die als Unterlage für das Opus caementitium des Fussbodens im OG verlegt wurden. Der Fussboden besteht aus Signinum der Gruppe 3 (Foto [Abbildung 133])
TREPPENRAUM 203
Befund:
Der Raum hat ein Mass von 96x245 cm. Er ist nach N mit einer Mauerzunge aus Opus incertum in Tuff zu Raum 201 abgetrennt und lässt dort eine Öffnung von B 90 cm frei. In der O-Wand befindet sich das Fenster des Ostiarius von 22x52, BR 190 cm mit einer schrägen N-Leibung. Der Raum trägt weißen Kalkputz und hat keinen Fussbodenbelag25.
Graffito:
Auf der O-Wand des OG: NOMINA, unpubliziert.
RAUM 201 (Maiuri 32)
Literatur:
NSc 1910, 139ff.
Maiuri, VdM31, 77-81 Fig.30-31, 204-206, Fig.88-89
VdM60, 35-36.
Pernice, Pavimente, 56.
Coarelli, Pompeji, 452.
Befund:
Der Raum (Schnitte [Abbildung 10] und [Abbildung 32], [Abbildung 41] und [Abbildung 48]) hat eine G von 405x445 cm. Der Zugang erfolgt vom Gang des O-Peristyls über das W-Bogenportal von 150x210 cm mit Sarno/Tuff-Leibungen und Travertin-Schwelle ([Abbildung 82]). Das Portal wurde durch ein Mauerstück aus Opus incertum in Tuff auf 115 cm verkleinert.
Ihm gegenüber befindet sich ein kleines Fenster von 41x75 BR 200 cm über einem Herd mit Ausguss26. Um 125 cm nach S versetzt liegt ein zweites Fenster von 76x100 BR 80 cm, das auf 50 cm verkleinert ist. Der Raum hatte eine Zwischendecke, deren Balkennester 16x20 a' 55 cm sich in H 225 cm abzeichnen. Die Wände tragen Dekorationen III.Stils, in die mittig kleine, anderswo ausgeschnittene Bildchen II.Stils eingesetzt sind27. Im Raum liegt ein Signinum-Fussboden, Gruppe 3.
RAUM 200 (Maiuri 31)
Befund:
Der Raum misst 362x445 cm. Er hat einen O-Zugang von 100x185 cm mit einem Vordach aus 3 Dachziegeln. Nach N liegt eine Tür von 70x185 cm mit abgearbeiteten Leibungen aus Sarno/Tuff. Die Tür wurde beim Bau der Trennwand zwischen den Cubicula 418-419 in Opus incertum aus Tuff zugemauert und verputzt. In der SO-Ecke zeichnet sich eine Tür von B 92 cm in der S-Trennwand aus Opus incertum in Tuff ab. In der NO-Ecke befindet sich eine Herdstelle. Der Raum hat eine Dekoration IV.Stils, in der kleinen Nische der W-Wand fand Maiuri28Reste einer Bemalung II.Stils. Der Fussboden liegt ca.35 cm unter NN und bestand vermutlich aus Cocciopesto.
Das OG der Räume 200-201 bestand aus 3 Räumen mit Trennwänden aus Opus listatum in gelbem Tuff. Der N-Raum hatte eine B von 335 cm, der mittlere 245 cm, der S-Raum 300 cm. In die W-Wand des N-Raumes ist eine über 2 m schräg zulaufende Bettnische 20 cm über dem Fussboden eingelassen. In der NW-Ecke des Raumes befindet sich in Kopfhöhe ein kleines N-Fenster von 30x40 cm mit BR 150 cm. In der NO-Ecke liegt eine Tür von 98x205 cm zum NO-Gang, in der SO-Ecke ein O-Fenster von 76x100 cm BR 80 cm und daneben ein Durchgang zum mittleren Raum. Die Wand trägt Dekorationen IV.Stils auf weißem Grund.
Der mittlere Raum hat über dem Fussboden der O-Wand eine kleine Öffnung in Form des Oberteils des kleinen EG-Fensters.
Der S-Raum hat 130 cm von der SO-Ecke ein mit Lehmziegeln vermauertes O-Fenster von 76x100 BR 80 cm und daneben in der Ecke eine mit dem gleichen Material zugemauerte O-Tür von B 85 cm zum Steg. In der S-Wand liegt eine Tür von 90x220 cm. Der Raum trägt Reste von weißem Putz.
S-TEIL
Der S-Teil liegt unter freiem Himmel, nur die Räume 207 und 208 sind im EG mit einer Betonplatte abgedeckt.
RAUM 206 (Maiuri 33)
Befund:
Der Raum (Schnitte [Abbildung 10] und [Abbildung 32], [Abbildung 38]-[Abbildung 50]) hat eine G von 415x440 cm, er ist über die W-Wand mit einer Tür von 116x180 cm erschlossen.
Die O-Wand hat eine vermauerte Tür von B 85 cm, in der Ecke eine kleine Nische und in der SO-Ecke ein Fenster von 87x80 BR 130 cm mit Tuff-Leibungen. Vor der N-Wand liegt eine Herdstelle mit einem Anbau aus dem Simsteil des Peristyl-OG (Tafel 33,[Abbildung 70] Detail W2). Die Wände tragen rote Putzreste mit einem Sockel aus Feinputz. Der Fussboden bestand vermutlich aus Cocciopesto.
OG-Raum 206 hat eine G von 425x440 cm. Sein Fussboden zeichnet sich durch Balkennester in den N- und S-Wänden und einem in situ gehaltenen Teil aus Opus caementitium mit Signinum-Oberfläche, entlang der O-Wand ab. Darauf steht neben dem kurzen erhaltenen Stück der S-Wand in Opus incertum aus Tuff ein Herd von 90x220 cm mit gemauertem Bogen. Neben dem Herd befindet sich ein O-Fenster von 110x170 BR 70 cm29.
Funde:
10 Münzen, 1 Öllampe Inv. 4365, 4367.
RÄUME 207-208 (Maiuri 34-35)
Befund:
Die Räume (Schnitte [Abbildung 10] und [Abbildung 32], [Abbildung 38] und [Abbildung 50]) haben Abmessungen von 208 bzw. 204x333 cm. Die Trennwand besteht aus Opus incertum in Tuff. Raum 207 wird in der Mitte der W-Wand von dem Bogenportal mit 91x185 cm, Tuff/Sarno-Leibungen und Travertin-Schwelle 6 [Abbildung 78] erschlossen. In der NW-Ecke ist ein kleines Fenster von 59x52 BR 130 cm eingefügt, in der SO-Ecke befand sich ein Herd. Die Räume tragen weiße und gelbe Putzreste, Raum 206 hat einen Signinum-Fussboden, Gruppe 3.
Der benachbarte Raum 208 ist mit einer O-Tür von 88x190 cm erschlossen, sein Fussboden aus Cocciopesto liegt um 22 cm unter NN und hat in der NO-Ecke eine Grube, deren T nicht gemessen werden konnte, weil sie mit einer Betonplatte abgedeckt ist.
Das OG zeichnet sich durch Balkennester in den N/S-Wänden von 15x25 a' 50 in H 265 cm ab. Die O-Wand hat in der Mitte ein Fenster von 105x165 BR 75 cm, die S- und W-Wände tragen Spuren eines Notdaches und einer zugemauerten Tür. Die Wände haben Reste von weißem und gelben Putz.
Fund:
Maiuri, VdM31, 25 Fig.3, Raum 207: Gipsabdruck eines grossen Mannes, Fingerring aus Eisen, 5 Bronze-Münzen.