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EINLEITUNG

VORWORT

Zu den Stationen eines Besuches der Ausgrabungen von Pompeji gehört meist die Villa dei Misteri. Seit Jahren kommen Tausende von Besuchern aus aller Welt vor allem, um die berühmten Wandmalereien der Villa zu bewundern, mit denen sich seit ihrer Entdeckung Ausgräber und Fachwelt überwiegend beschäftigt haben. Tatsächlich lässt die nicht sonderlich attraktiv restaurierte Anlage auch wenig davon ahnen, dass es sich hier um ein bedeutendes Architektur-Beispiel einer Villa suburbana handelte.

Jeder Versuch einer ganzheitlichen Auseinandersetzung mit der Villa musste bisher daran scheitern, dass keine brauchbaren Pläne und Angaben über Baumaterialien und Bautechniken der Villa vorlagen. Dieser Mangel wurde um so deutlicher, als sich im Laufe der Zeit zeigte, daß die Baugeschichte der Villa dei Misteri ein wichtiger Terminus in der zeitlichen Einordnung des zweiten Stils der pompejanischen Wandmalerei ist.

So war es an der Zeit, dass 80 Jahre nach dem Beginn der ersten Grabungen eine Vermessung der Anlage vorgenommen wurde. Prof.Dr.Volker Michael Strocka, Direktor des Archäologischen Instituts der Albert-Ludwigs-Universität zu Freiburg und Leiter des internationalen Forschungsprojektes >Häuser in Pompeji<, stellte deshalb den Antrag, im Rahmen dieser Dissertation die Villa dei Misteri zu vermessen und Soprintendente Baldassare Conticello erteilte dazu am 9.Mai 1988 dankenswerter Weise die Genehmigung.

Das hier vorgelegte Ergebnis der Vermessung ist in Form einer Bauaufnahme dargestellt und durch eine Baubeschreibung mit Angaben der Baumaterialien und der angewandten Bautechnik ergänzt. Auf der Basis dieser Ergebnisse konnte sodann die Baugeschichte der Villa geschrieben werden. Die Aufgabenstellung schloss aber bewusst die Bearbeitung der Dekorationen der Villa und die Vorlage einer Gesamt-Publikation aus.

Vor Beginn der Kampagne im August 1988 vergrösserte das Institut in Freiburg photographisch den Plan von Maiuri, VdM60 als Arbeitsunterlage von der Grösse DIN A4 auf Masstab 1:50. Auf der Grundlage dieses Planes zeichnete ich 44 vorbereitende Schnitte in Art einer "Architektur-Tomographie", beginnend mit der W-Fassade der Cryptoporticus bis zum O-Eingangsbereich und sodann von der S-Fassade der Doppelporticus bis zur N-Porticus. Darin trug ich das Aufmass ein.

Für die Vermessung wurde mir dankenswerter Weise von den Herren Dr.Ing.Schweinfurth und Dipl.Ing.Ringle vom Institut für Fotogrammetrie der T.H.Karlsruhe das notwendige Gerät zur Verfügung gestellt, mit dessen Hilfe ich die Vermessung durchführen und ein Gesamtraster der Anlage herstellen konnte. Meinem einzigen Helfer, Dr.Ernst Heinrich, darf ich an dieser Stelle für seine Geduld bei dieser Arbeit danken.

In das Gesamtraster trug ich die manuell genommenen Einzelmaße ein. Zum Nachweis des aufgenommenen Zustandes machte ich ferner 180 Kontrollfotos. Bis zur Kampagne im September 1989 zeichnete ich auf der Basis des Aufmaßes Grundriss und Schnitte M.1:50 des Baubestandes und seiner Materialien. Zum Verständnis der vom Architekten der Villa angewandten Proportionen und Konstruktionen ergänzte ich das Aufmass durch eine Rekonstruktion. Gleichzeitig nahm ich in dieser Kampagne das Aufmaß der Stuck- und Marmorprofile, Fensterbänke, Türschwellen und sämtlicher in der Villa vorhandener Werkstücke, Säulen, Architrave, Tür/Fensterabgüsse und Fussbodenmosaiken vor.

Das erarbeitete Planwerk vervollständigte ich sodann durch die Baubeschreibung des Befundes, der Baumaterialien und angewandten Bautechniken. Diese Vorarbeit war schliesslich die Grundlage für die Darstellung der Baugeschichte der Villa dei Misteri. Herrn Professor Dr.V.M.Strocka bin ich dankbar, dass er meinen Blick schärfte, mir das Wissen über die Materie vermittelte und so viel Geduld bei der Durchsicht der Texte aufbrachte. Herrn Dr.W.Ehrhardt danke ich für die zahlreichen fachlichen Hinweise während meiner Arbeit in der Villa. Herrn P.Grunwald verdanke ich die beigefügten Photos des Baubestandes.

Vom 21.6. bis 2.7.91 und vom 1.9. bis 6.9.91 konnte ich an Ort und Stelle die gesamte Arbeit, dank der Reisekostenzuschüsse der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Albert-Ludwig-Universität Freiburg überprüfen.

Die vorliegende Arbeit ist die überarbeitete Fassung meiner Dissertation, die ich im Herbst 1993 der Philosophischen Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg vorlegte.

Die Bearbeitung der Publikation auf CD-ROM führte die IuK Rieth GmbH, vertreten durch Herrn Dietrich Rieth, Alte Strasse 66, D 79249 Freiburg-Merzhausen, Tel. +49 (0)761 45907 10, Fax +49 (0)761 45907 30, EMail info@rieth.de, dessen Atelier ich grosszügig für die Umarbeitung auf CD-ROM in Anspruch nehmen konnte, und dessen Mitarbeiter, die Herren Thomas Stiefvater und Rainer Hartmann, dabei geduldig geholfen haben. Die Digitalisierung des umfangreichen Plan- und Bildwerkes finanzierte mein Bruder Dr. Dietrich Kirsch, Hamburg.